Codename ASHCAN - Kriegsverbrecher im Kurhotel.



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Eine Recherche

Text von Ouri Wesloy, adaptiert von Anne Simon, basierend auf der Recherche von Willy Perelsztejn
Premiere 27|10|2017 | Werkstattbühne | In Deutsch und Englisch. Mit englischen und deutschen Übertiteln.

Eine Koproduktion mit dem Théâtre National du Luxembourg


Ein Recherche-Projekt über die „Banalität des Bösen“

Bad Mondorf, Palace Hotel, Mai 1945. Die US-Armee hat das
Palace Hotel streng abgeschirmt und zu einem sogenannten Interrogation
Center umgebaut. An NS-Prominenz und Extravaganz
soll es nicht fehlen: Hermann Göring reist mit 16 Koffern, Kammerdiener
und 20.000 Paracodin-Tabletten an. Göring und auch
alle anderen 52 Nazigrößen, von Dönitz über Speer, Frank oder
Streicher, werden gründlich gefilzt – schließlich sind sie nicht zur
Kur, sondern als Kriegsgefangene da.
„Codename Ashcan“ zeigt ein skurriles Kammerspiel, das den
alltäglichen Wahn zwischen dem verzweifelten Versuch, den
Glauben an das alte System aufrecht zu erhalten und dem Zerfall
in verschiedene Cliquen zeichnet. Die oft erwähnte „Banalität des
Bösen“ kommt in der Eitelkeit, der süffisanten Arroganz und der
einstudierten Unschuldsmentalität in vollen Zügen zum Vorschein.

Die jungen amerikanischen Offiziere stehen diesem Schauspiel
gespalten gegenüber: Hin- und hergerissen zwischen Ekel und
Faszination vor den Figuren und Rollen, an denen die Nazis kontinuierlich
feilen, tasten sie sich zunächst vorsichtig und mit distanziertem
Respekt vor. Doch dann verschärfen sich der Ton und vor
allem das Ziel der Verhöre schlagartig: Die Polit-Groteske spitzt
sich mit der Ankündigung einer Anklage zu. Während manche sich
der möglichen Konsequenzen ihres Handelns allmählich bewusst
werden, gerät Göring, auf Entzug, regelrecht in Ekstase, als er vom
anstehenden Prozess erfährt.
„Ein gespenstischeres Abenteuer ist nicht vorstellbar“, schreibt
Erika Mann, die Tochter von Thomas Mann und Journalistin über
ihren Besuch in dem Hotel, „aus dem die Insassen ein Irrenhaus
gemacht haben“.

Preise Werkstattbühne

Leitung

Inszenierung Anne Simon
Bühne Anouk Schiltz
Kostüme Melanie Planchard