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Begegnungen!_5: Die Schutzflehenden | Die Schutzbefohlenen

Begegnungen!_5 – Premiere am 13.5.17, 19.30 Uhr, Großes Haus
Die Schutzflehenden | Die Schutzbefohlenen

Es ist ein ganz schön großes Unterfangen, dem sich die Teilnehmer des Projektes „Begegnungen!_5“ stellen.
Über 50 Beteiligte, die aus ganz unterschiedlichen Kontexten stammen, arbeiten und proben gemeinsam: zum einen die „Theaterleute“, die Schauspieler und das Regieteam, der organisatorische Apparat. Zum anderen Menschen, die bereits bei dem einen oder anderen Workshop am Pfalztheater dabei waren, die in den letzten Jahren schon bei „Begegnungen!“ mitgemacht haben, auch absolute Theaterneulinge, Kinder, Jugendliche, Erwachsene.
Yvonne Kespohl inszeniert. Für die Ausstattung zeichnen Mariam Haas und Lydia Huller verantwortlich.
Es spielen Hannelore Bähr, Maike Elena Schmidt, Manuel Klein und Harry Schäfer sowie Mitglieder des Jungen Theaters, Schülerinnen und Schüler der IGS Otterberg und Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Region.
Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf ist Schirmherr der Produktion.
Am 13. Mai 2017 werden diese knapp 50 Menschen mit einem aufsehenerregenden Doppelabend auf der großen Bühne des Pfalztheaters Premiere feiern. Die Ähnlichkeit der Titel weist auf den inhaltlichen Zusammenhang:
Der Text „Die Schutzflehenden“ von Aischylos erzählt von den 50 Töchter des Danaos, die vor der Verheiratung mit ihren Cousins fliehen; gemeinsam mit ihrem Vater nach Argos, woher ihr Geschlecht stammt. Dort angekommen, erbitten sie vom dortigen Herrscher Pelasgos Schutzasyl, wozu er nicht nur aufgrund der Verwandtschaft verpflichtet wäre, sondern auch durch das Gesetz Zeus‘, des Schutzheiligen aller Fliehenden. Pelasgos entscheidet sich nach einem Volksentscheid dafür, die Geflüchteten aufzunehmen und bietet ihnen Wohnung und Schutz.
Anknüpfend an den antiken Text hat NobelpreisträgerinElfriede Jelinek ihr Werk „Die Schutzbefohlenen“ im Jahr 2013 begonnen, als eine Gruppe Geflüchteter die Wiener Votivkirche besetzte, um auf die katastrophalen Bedingungen, unter denen sie leben müssen, aufmerksam zu machen. Im Herbst und Winter 2015 erweiterte Jelinek angeregt durch immer neue Ereignisse den ursprünglichen Textkorpus um weitere Anhänge. Jelinek zeichnet in ihrem vielstimmigen Sprachkunstwerk ein scharfes Bild der Gesellschaft und des heutigen Umgangs mit Menschen mit Fluchterfahrungen. In die Erzählungen der Geflüchteten mischen sich Stimmen von anderen, xenophoben Gierbürgern. Ein starkes Motiv des Stückes ist auch das Meer, über das die Menschen geflohen sind, und in dem so viele ertrunken sind. Jelinek thematisiert außerdem die Ungleichbehandlung hinsichtlich der Einbürgerung von Namenlosen und Prominenten, so zum Beispiel die Blitzeinbürgerung von Anna Jumaschwa (Tochter von Boris Jelzin) und der Starsängerin Anna Netrebko in Österreich. Der Text „Die Schutzbefohlenen“ ist ein wortreicher Aufschrei, eine Anklage gegen ein Europa, das sich als Wiege der Menschenrechte feiert, diese Rechte aber mit jedem Zaun an Europas Grenzen, mit jedem Frontex-Einsatz und mit jeder Abschiebung bricht, so Jelinek.

Das „Begegnungen“-Projekt feiert am 13. Mai, um 19.30 Uhr, im Großen Haus des Pfalztheaters Premiere. Die zwei weiteren Aufführungen finden am 16. und 18. Mai statt.
Karten gibt es hier und unter der Telefonnummer 0631/3675-209.