Der gute Tod

Kritik in der Rheinpfalz von Fabian R. Lovisa vom 6.2.2012

"(...) Es geht in Wannie de Wijns hochsensiblem Text also nicht nur um die Endlichkeit des Seins, was allein schon ein unerschöpfliches Thema darstellt. Der Niederländer greift daneben die Debatte um Sterbehilfe auf, die in seiner Heimat - wie in Belgien, Luxemburg und der Schweiz - zu anderen Ergebnissen geführt hat als hierzulande. Und so tritt neben den Themenkreis des endgültigen Abschieds jener um die Selbstbestimmung des Menschen und deren Grenzen.
Kontrovers gefühlt und gestritten wird auch im Umfeld des Schwerkranken. Unterstützt ihn seine aufopferungsvoll pflegende Partnerin Hannah (mit großer Empathie gespielt von Antje Weiser), so kann sich sein Bruder Michael (Jan Henning Kraus gibt einen selbst-darstellerischen Geschäftsmann par excellence) nur schwer mit dem selbst bestimmten Ende abfinden. Der jüngste der drei Geschwister, der geistig eingeschränkte Ruben (brillant: Oliver Burkia), begegnet der Situation vielleicht noch am offensten, ist ihr letztendlich aber auch nicht gewachsen. Ebenso wenig wie Bernhards Tochter (überzeugend: Marion Fuhs). Selbst der scheinbar so souveräne Arzt und Freund Robert (Rainer Furch spielt die Hin- und Hergerissenheit plastisch) kommt doch deutlich an seine Grenzen.
Bernhard, den Dominique Bals gefasst, vom Morphium teilsediert darstellt, bringt die Problematik an diesem Abschiedsabend zwischen Grabesstimmung, Hysterie und gespielter Normalität auf den Punkt: „Der Tod ist eure Sache, meine ist das Sterben.” Beides geht uns alle früher oder später an."

 

Aufführung: