Die Chronik der Unsterblichen - Blutnacht

Kritik in der Rheinpfalz von Nina Schellhas vom 23.1.2012

„Operation gelungen, Patient…bejubelt. (…) Zu vergnüglich sind die Schlagabtausche zwischen Meruhe (Astrid Vosberg) und Loki (Alexander Franzen), die an Delãny herumzerren, weil sie unterschiedliche Pläne für ihn haben. (…) Mit seinem Freund Abu Dun (OJ Lynch) reist Delãny durch Raum und Zeit, findet sich im brennenden London wieder, in einem venezianischen Sanatorium, in den Gemächern von Graf Dracul und Blutgräfin Barthory oder auf Grabhügeln in seiner transsylvanischen Heimat. Für all diese Stationen haben Ausstatter Michael D. Zimmermann und Regisseur Urs Häberli teils faszinierend düstere Bilder gefunden, die durch Videoinstallationen von Karl-Heinz Christmann bereichert werden. (…) Das aufwendige Bühnenbild findet seine Entsprechung in den fantasievollen Kostümen, die vor allem bei den göttlichen Widersachern Meruhe und Loki sowie auf den orgiastischen Feiern von Graf Dracul und Gräfin Barthory glänzen. In den Massenszenen mit Tänzern und Chören (choreographiert von Stefano Giannetti) wird das Publikum von der Pracht auf der Bühne förmlich erschlagen – und die Musik Günther Wernos entfaltet eine besondere Wirkung. Das fällt vor allem am Hof Draculs auf, wo der Graf (Marciej Salamon) und seine blutrünstige Meute dem theatralischen Sound von Vanden Plas mit Gesang und Tanz eine gehörige Wucht verleihen. Es zeichnet sich aber auch schon früh im Stück ab, wenn der Kinderchor des Pfalztheaters mit weißen Masken aus den Gräbern heraus für einen der finstersten Momente des Abends sorgt. Der gitarrenlastige Sound mit viel Pathos passt zum Vampir-Thema und erlangt durch das Können der Sänger eine überraschende Vielseitigkeit – von glasklar und unschuldig (Astrid Vosberg/Tabea Floch) über innerlich zerrissen (Andy Kuntz/Manuel Lothschütz) bis hin zu dröhnend und gebieterisch (Alexis Wagner/Geertje Nissen). Die Produktion ist mit ihrer Fantasterei sicher nicht jedermanns Sache. Der Mut der Beteiligten und das Herzblut, das sie in dieses Projekt gesteckt haben, verdienen aber auf jeden Fall Applaus. Das Premierenpublikum hat ihn gegeben. Es wollte das Ensemble nach der Vorstellung gar nicht mehr von der Bühne lassen.“
 
 
Kritik der dpa auf Focus Online am 22.1.2012
 
„Fantasy-Fans feiern Hohlbein-Rockoper. (…) Die Band, die Sänger, der Bühnenbau und die Kostümbildner geben den Anhängern des Genres, was sie erwartet haben und sie bedanken sich am Ende mit begeistertem Applaus. Weniger euphorisch reagieren der größere und dem Äußeren nach eher gesetztere Teil der Zuhörerschaft (…). Dabei könnten die imposante Gitarrenmusik, die gefühlvollen Duette und der bezaubernde Kinderchor auch diese Zuhörer ohne Weiteres in ihren Bann ziehen. (…)“
 
 
Kritik von Frank Herkommer auf Opernnetz

“(…) Regisseur Urs Häberli erweist sich als Glücksfall für diese Welturaufführung. Aus Sequenzen wird ein Ganzes, jede Einzelszene hat ihr eigenes Tempo: Bilder, die tragen, Personen-führung, die Witz an Stelle von Klamauk setzt. Ironisierend, nicht parodierend. Bunt und prall, zugleich mit feinen Pastellfarben. (…)  Die Musik, die die drei Mitglieder der Prog Metall Rockband Vanden Plas produziert haben – Stephan Lill, Andy Kuntz und Günter Werno – ist das Beste und Differenzierteste, was die deutsche Kultband bisher auf den Markt gebracht hat. Von der Ballade bis zur Sakralmusik, vom Duett bis zum Ensemble, Kinderchorpartien, die jedem Webber-Musical zur Ehre gereichen würden. Die Instrumentalisierung ist absolut rockig, dann wieder zarte Stimmungsmalerei, von hart bis lyrisch. (…) “
Herausragend sind die Leistungen des Extrachors und des Kinderchors des Pfalztheaters, einstudiert von Ulrich Nolte. Dass Kaiserslautern über ein Ballett der Extraklasse verfügt, zeigen einmal mehr die Tänzerinnen und Tänzer unter der Choreografie von Stefano Giannetti. (…)“
 
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