Hello, Dolly!
Kritik in der Saarbrücker Zeitung von Oliver Schwambach vom 28.10.11
" (...) Schade, dass Musicals wie "Hello, Dolly!" eher selten noch in die Spielpläne finden. Und dann meist bloß an Provinzbühnen. Dabei schrieb Jerry Herman in den Sixties für die patente Partnervermittlerin Dolly Levi wahrhaft goldene Melodien, Ohrwürmer im Dutzend. Der operettenhafte Stoff freilich mit eher behäbigen Späßchen hält wohl viele Theatermacher ab. Und dann gibt's da ja noch die Verfilmung von 1969 mit der hinreißenden Barbra Streisand in der Titelrolle, die viele "Dolly"-Fans in dutzenden Video-Sitzungen verinnerlicht haben, dem man was entgegen halten muss. Dass es dennoch geht, beweist jetzt das Pfalztheater Kaiserslautern. Regisseur Stefan Tilch versucht klugerweise gar nicht erst, gegen die Erwartungen anzusteuern und das Musical auf Zeitgeist zu trimmen. Tilch lässt die Kostüme rauschen, protzt mit Federhütchen und großen Roben, hält die Bühnenmaschinerie mit herrlichen Jugendstilinterieurs in ständigem Umbaubetrieb. Und doch sieht das nie nach Kulissenfundus aus. Weil normale Bühnentechnik trickreich mit kleinen Animations-filmen (von Karl-Heinz-Christmann) und Projektionen verschränkt wird: Animiertes und Bühnenspiel wachsen da zu einer eigenen, stimmigen Bilderwelt zusammen.
" (...) Eine Astrid Vosberg, längst eine feste Größe auf deutschen Musicalbühnen, der die Rolle der Dolly Levi auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Ungeheuer variabel, dabei immer authentisch, von beeindruckender Präsenz. (...) Sie alleine würde den Abend zu einer gelungenen Veranstaltung machen. Mutig, den Horace Vandergelder mit einem älteren Schauspieler zu besetzen. Ein Mut, den Peter Nassauer belohnt. Der dem knauserigen Zottelbär Charakter verleiht, der nicht nur vorzüglich spielen, sondern angenehm singen kann. Daniel Böhm läuft zu Hochform auf als Leitfigur Cornelius Hackl, für Leidensgenossen und Glückssucher Tucker, ein Träumer und Glückssucher schlechthin, mit Ernsthaftigkeit, sichtlich verliebt, einen Mut zeigend, der ihm nicht zugefallen ist, die samten-virile Baritonstimme zeigt, was in der Musik von Herman an Potential steckt, er tanzt und setzt die Choreographie von Stefano Giannetti um, als habe er Musical studiert. Das hat erfolgreich Julian David. (...) Mitreißend und hinreißend in der Rolle der Noch-Unschuld vom Lande, Barnaby Tucker. Arlette Meißner wagt den Sprung in die Rolle einer reifen Frau, absolut gelungen, nichts von ihrem Charme geht verloren, dabei zeigt sie einmal mehr ihre enorme Stimmbreite. Susanne Pemerl eine Minnie Fay, die den Kontrast zur Modistin erfolgreich darstellt. (...) Geertje Nissen urkomisch und herrlich ordinär als Ernestina Money, die Lachsalven und Applausstürme auslöst. (...)"
