Madama Butterfly

Kritik in der Rheinpfalz von Dagmar Gilcher vom 19. September 2011

"(…) Jetzt eröffnen gleich zwei Bühnen der Region mit der „Butterfly“ ihre Musiktheater-Saison: in Kaiserslautern und Saarbrücken. Und beiden gelingt der Nachweis, dass die Puccini-Verächter sich gründlich geirrt haben. (…) Am Pfalztheater dienen ein riesiger roter Cola-Kühlschrank und die in ihrer Überzeichnung traurig-komischen Kostüme (Karin Fritz) der japanischen Verwandtschaft als Sinnbild für das Eindringen der westlichen Kultur.
Es gibt in beiden Inszenierungen viele weitere gelungene Beispiele, die neben der ausgefeilten Personenregie die Stärke der beiden Produktionen ausmachen. (…)
Weitaus unterschiedlicher als die szenische fällt die musikalische Interpretation aus. Saarbrückens Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka setzt auf Transparenz, recht zügige Tempi, klare Farben und entgeht so der Gefahr der Sentimentalität.
Ganz anders, nicht weniger überzeugend, Till Haas, der im Graben des Pfalztheaters ein orchestrales Breitwand-Format entfaltet. Packendes musikalisches Kino, das nicht in schwer verdaulichen Kitsch abgleitet, weil er die von Puccini komponierten Ruppigkeiten der Partitur - die schrillen Holzbläser, die mitunter befremdlich klingende Solo-Bratsche zum als „Summchor“ bekannten Schluss des zweiten Aktes - plastisch herausarbeitet.
Die Stimmen? Sie sind an beiden Häuser von bemerkenswerter Qualität, wobei Steffen Schantz in Kaiserslautern über deutlich mehr verführerischen Tenorschmelz und die modulationsfähigere Stimme verfügt als sein Saarbrücker Pendant Jevgenij Taruntsov.
(…) Adelheid Fink verkörpert in Kaiserslautern, was die „Butterfly“ auch ist: eine große italienische Operntragödin, eine in den letzten beiden Akten gereifte Frau und liebende Mutter – mit wunderbaren Piano-Tönen, Leuchtkraft und nur seltenen Härten in den dramatischen Schlussszenen.(…).“
 
 
 
 
Kritik in der Saarbrücker Zeitung von Oliver Schwambach vom 19. September 2011
 
„Der Ami kommt. (…) Ernö Weil setzt mit zupackendem Witz westlichen Kulturimperialismus in Szene, der sich in der ungleichen Liebe zwischen Cio-Cio-San und dem US-Leutnant Pinkerton spiegelt. Die Lebe im Klammergriff eines Kultur- und Ideologiestreits: Weil macht das zum Grundmotiv seiner Regie. Das ist kaum überraschend bei „Madama Butterfly“, trägt aber den Abend. Karin Fritz (Bühne/Kostüme) richtet dazu Cio-Cio-Sans Heim in Nagasaki clever als Luxusappartement mit unzähligen Schiebetüren ein. Variabel lässt sich die Bühne so in intimen Momenten verengen, aber auch für den Aufmarsch der Verwandtschaft bleibt Platz.
Adelheid Fink erweist sich als beachtliche Sängerdarstellerin, die den Konflikt zwischen eherner japanischer Tradition und der Verheißung westlicher Freiheit in der Person Cio-Cio-San zu zeigen weiß.
(…)
Gleichwohl beeindruckt Schantz mit beweglichem Tenor, aber auch Bernd Valentin (Sharpless) glänzt mit elegantem Bariton. Insbesondere aber Melanie Lang (Suzuki) setzt mit ihrem kultivierten und nuancierten Mezzo Akzente.“
Aufführung: