Nathan der Weise
Kritik in der Rheinpfalz von Fabian R. Lovisa vom 28.11.11
" (...) Seinen Fokus legt Gastregisseur Demmer angesichts dieser traurigen globalen Realität auf den Nahen Osten. (...) Eine düstere Bunker- und Rohbaulandschaft aus Beton bildet die Kulisse, vor der sich Geschäftsmann Nathan in Anzug und mit Geldkoffer, Sultan Saladin im protzigen Doppelreiher und der Tempelritter als Rebell(-enkrieger) mit Springerstiefeln treffen. (...)
Henning Kohne (Nathan), Rainer Furch (Sultan) und Markus Penne (Tempelritter) gelingt es beeindruckend, die Sprache des Dichters und damit gleichzeitig ihre Figuren plastisch werden zu lassen.
(...) Auch hält die Regie die Spannung über die zweidreiviertelstündige Aufführung (mit Pause). Inszenatorische Details wie die Karikatur des christlichen Patriarchen als bigotter Kinderschänder punkten mit satirischem Witz, die Konzentration der Ringparabel auf einen einsam im Scheinwerferlicht stehenden und auch schon mal um Worte ringenden Nathan schafft Eindringlichkeit.
Letztendlich gelingt Demmer und seinem Team nichts weniger als die treffende Aktualisierung eines Klassikers. Diese liegt angesichts des weltpolitischen Zustands zwar nahe, stimmt jedoch unweigerlich betroffen. Was den hohen Wert der Inszenierung ausmacht."
