Der kaukasische Kreidekreis.



Kreidekreis_Stueckseite_Teaser
Schauspiel von Bertolt Brecht mit Musik von Paul Dessau (Gastspiel Theater Koblenz)
Im Mittelpunkt des im Exil entstandenen Schauspiels steht der Streit zweier Mütter um ein Kind. Die Magd Grusche hat im Chaos einer Revolution das Kind ihrer Arbeitgeber angenommen und unter Gefahr für ihr eigenes Leben gerettet. Die leibliche Mutter dagegen, die ihres Amtes enthobene Gouverneurin, hat ihr Kind zurückgelassen und fordert es nun, in Friedenszeiten, zurück. Über diesen Streit soll der in den Wirren des Aufstandes als Richter eingesetzte Dorfschreiber Azdak urteilen. Dieser Richter zeichnet sich durch eine intuitive und willkürlich anmutende Rechtsprechung aus. Er verfügt, dass das Kind in einen Kreidekreis gestellt wird, beide Frauen müssen nun versuchen, es auf ihre Seite zu reißen. Grusche lässt sofort los, um das Kind nicht zu verletzen, und gibt sich damit als die wahrhaft Mütterliche zu erkennen. Azdak spricht ihr daher das Kind zu.

Zwei Spiele, zwei große Themen der Weltliteratur werden von Brecht hier zu einem geschlossenen Kreis geführt: Das Spiel von Grusche Vachnadze, der Magd, die mit übermenschlichen Opfern – selbst dem Opfer ihrer Liebe zu dem Soldaten Simon Chachava – in Zeiten der Revolte das Kind der harten Gouverneursfrau rettet, und das Spiel vom Azdak, dem Arme–Leute–Richter, der, betrunken und korrupt, dennoch das Chaos zu einer „kurzen, goldenen Zeit beinah der Gerechtigkeit” macht.

Auch gut siebzig Jahre nach der Uraufführung bleiben die im Mittelpunkt dieses Konflikts aufgeworfenen Fragen aktuell: Wie gehen Menschen mit der ihnen übertragenen Verantwortung um? Wie stehen sich Recht und Gerechtigkeit gegenüber? Ist der Wunsch nach sozialer Vernunft nur eine Utopie?

Inszenierung: Esther Hattenbach | Musikalische Leitung: Johannes Bartmes | Bühne: Geelke Gayken | Kostüme: Annemie Clevenbergh | Dramaturgie: Sebastian Schulze Jolles
Mit: Jana Gwosdek (Grusche Vachnadze) | David Prosenc (Azdak), Thomas Schweiberer (Sänger) | In den weiteren Rollen: Ks. Claudia Felke, Esther Hilsemer, Dorothee Lochner, Isabel Mascarenhas | Ian McMillan, Jona Mues, Lukas Winterberger
Johannes Bartmes (Keyboards), Michael Koschorreck (Gitarre), Johannes Stange (Trompete)