Vor Sonnenaufgang.



Stueckseite_Teaser_Vor Sonnenaufgang
Schauspiel von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Premiere 16|05|2020  |  Großes Haus  |  Bühne auf Bühne

„Erschütternd, dass es für das Leben, wie es ist, nicht bessre Gründe gibt."

Bereits der Titel „Vor Sonnenaufgang" erzählt es: Wir befinden uns in einer Welt im Übergang. Etwas Altes geht vorüber und etwas Neues entsteht. Ewald Palmetshofer, der Preisträger des Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreises 2018, hat das 1889 uraufgeführte Dramendebüt Gerhart Hauptmanns aus seinem historischen Kontext befreit und zu einem luziden Porträt unserer heutigen Zeit und unserer Gesellschaft gemacht. Im Visier steht die bürgerliche deutsche Mittelschicht: Durch eine geschickte Einheirat in einen Maschinenbaubetrieb hat sich der Jungunternehmer Hoffmann den sozialen Aufstieg gesichert, den er jetzt mit rechtspopulistischen Thesen flankiert. Sein Jugendfreund Loth, der linksengagierte Journalist, will ihn durch seine Recherchen entlarven, setzt letztlich aber auch nur auf das kleine private Glück seiner Gelegenheitsliebschaften. Hoffmanns Frau schwankt zwischen Mutterglück und Depression, wohingegen ihre erfolglose Single-Schwester kurzzeitig Unterschlupf im elterlichen Heim sucht, in dem der Alkoholismus des Vaters immer deutlichere Spuren hinterlässt. Alle ringen um eine Perspektive in dieser Nacht, bis am Ende die Sonne aufgeht und zeigt, wie die Verhältnisse wirklich sind.

Am Beispiel eines kleinen Personenkreises, einer Familie, zeigt Palmetshofer sehr präzise die Bruchstellen unserer Gegenwart auf. Die Konflikte in der Familie lassen sich als Miniaturen eigentlich sehr viel umfassenderer, größerer Zusammenhänge verstehen: die Zersetzungsprozesse einer Gesellschaft und eines politischen Systems.


Preise F

Leitung

Inszenierung Christian von Treskow
Bühne Oliver Kostecka
Kostüme N. N.
Dramaturgie Melanie Pollmann