Die verlorene Ehre der Katharina Blum.



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Schauspiel nach Heinrich Böll
Premiere 05|02|2022 | Großes Haus

„Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Darstellung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken bekannter Zeitungen und Illustrierten ergeben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig. Sie sind unvermeidlich.“

Heinrich Böll beschreibt in seinem „Pamphlet“ (so bezeichnet er die Erzählung selbst im Nachwort), wie eine junge Frau, Katharina Blum, durch ihre Affäre mit einem mutmaßlichen Straftäter in das Visier der Boulevardpresse in der Person des Journalisten Tötges gerät. Die zuerst „nur“ sensationslüsterne Berichterstattung steigert sich mit der Zeit in verschiedenen Varianten. Nicht nur die Bloßstellung vor ihrem gesamten sozialen Umfeld als eiskaltes, berechnendes „Flittchen“, sondern auch eine Vielzahl von obszönen, hasserfüllten Nachrichten und schließlich die sexuelle Nötigung durch Tötges und einen bekannten Industriellen sind die Folge. Auch als sich der Mordverdacht gegen ihren Geliebten als haltlos herausstellt, ebbt die Flut der „hatespeech“ nicht ab.
Katharina, die immer verzweifelter versucht, sich gegen diese Menschenverachtung zur Wehr zu setzen, greift, als ihre schwerkranke Mutter in der Folge der Ereignisse stirbt, zum äußersten Mittel und richtet den verantwortlichen Journalisten Tötges hin.
Rufmord- und Hetzkampagnen sind keine Phänomene, die mit der Erfindung der sozialen Medien begonnen haben. Die immer noch auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland wird dafür von den einen gefürchtet wie von den anderen geliebt. Aber natürlich haben sich durch das Aufkommen von sozialen Netzwerken die Geschwindigkeit und Streuung von Spekulationen, die als Fakten dargestellt werden, erheblich gesteigert.
„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist bis heute das meistgelesene Prosawerk des in Köln geborenen Schriftstellers Heinrich Böll (1917-1985), der 1972 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Auch wenn Bölls Motivation für diese Erzählung in den Zeitumständen der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre begründet liegt, ist die Frage nach den Mechanismen der bewussten Meinungsmache auch heute von virulenter Bedeutung.


Preise E

Leitung

Inszenierung Yvonne Kespohl
Bühne und Kostüme Mariam Haas | Lydia Huller
Dramaturgie Melanie Pollmann