Ein Mann seiner Klasse.



Stück nach dem Roman von Christian Baron

Kaiserslautern in den Neunzigern: Christian Baron und sein Bruder Benny teilen sich ein Etagenbett in ihrem Kinderzimmer, das direkt neben dem Schlafzimmer der Eltern liegt. Deswegen hören sie es auch, wenn ihr Vater die Mutter wieder so brutal verprügelt, dass ihr Kopf dumpf gegen die Wand schlägt. Sie haben gelernt an seinen Schritten zu hören, ob er heute vielleicht unter zehn Bier geblieben ist, was die Chancen auf einen Abend ohne Wutausbruch erhöht. Und vor allem haben sie gelernt, darüber niemals, niemals zu reden. Nichts davon nach außen dringen zu lassen. Und doch hofft Christian immer, dass der Vater bleibt. Er schaut auf zu dem Mann, der eine Waschmaschine alleine in den vierten Stock tragen kann und die Familie davor beschützt, im Kalkofen zu landen. „Mochte mein Vater auch manchmal unser letztes Geld in irgendeiner Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben: Ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders.“

Ungeschönt erzählt Christian Baron in seinem autobiografischen Roman von 2020, was es heißt, in Deutschland arm zu sein. Was es heißt, wenn der alkoholkranke Vater schlägt und die depressive Mutter stirbt, viel zu früh mit 32 Jahren. Er erzählt davon, wer oder was seine Eltern zu dem machte, was sie waren, von Ausgrenzung und dem Ringen um Stolz und Würde. Und was von all den Erinnerungen am Ende bleibt.

Leitung

Inszenierung Jan Langenheim
Bühne und Kostüme Anja Jungheinrich
Dramaturgie Andreas Bronkalla | Carola von Gradulewski | Andrea Wittstock