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Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis und -Stückepreis des Pfalztheaters.

Chronik
"25 Jahre Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreis"

Im Februar 1993 wurde zum ersten Mal der „Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreis“ verliehen. Erste Preisträgerin war Kerstin Specht. Sie wurde ausgezeichnet für ihr Stück „Mond auf dem Rücken“.

Der Dramatikerpreis wurde von Pfalztheater-Intendant Pavel Fieber und der rheinland-pfälzischen Kultusministerin Dr. Rose Götte ins Leben gerufen. Er wird vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur ausgelobt. Sinn und Zweck ist die Förderung der deutschsprachigen Dramatik. Der Hauptpreis wurde mit DM 30.000 dotiert (heute: 10.000 Euro). Gleichzeitig wurde ein Nachwuchs-Förderpreis in Höhe von DM 5000 vergeben (erster Preisträger: Michael Roes für „Cham“). Das Pfalztheater Kaiserslautern hat auf alle Preisträgerstücke die Uraufführungsoption.

Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt. Die Ausschreibungsorganisation liegt bei der Öffentlichkeitsarbeit des Pfalztheaters.

Die Jury setzt sich aus fünf Personen aus Forschung und Lehre, Feuilleton und Theater zusammen – die Juroren der ersten Ausschreibung waren: Frau Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte (damals Uni Mainz), Prof. Dr. Anke Roeder (damals Uni München), Gerhard Jörder (damals Leiter des Feuilletons der Badischen Zeitung Freiburg), Dr. Klaus Pierwoß (damals Generalintendant Theater Bremen) und Prof. Dr. C. Bernd Sucher (Feuilleton Süddeutsche Zeitung). Vorsitzender der Jury (ohne Stimmrecht) ist der Intendant des Pfalztheaters.
1999 wurde die Preisverleihung in die Staatskanzlei Mainz verlegt.

Im Februar 2015 fand die Preisverleihung wieder im Pfalztheater Kaiserslautern statt und wurde von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen.
Seit der Ausschreibung 2014 hat sich der Ausschreibungsmodus erneut verändert: Der Dramatikerpreis in Höhe von 10.000 Euro wird von der Jury für ein vorliegendes dramatisches Gesamtwerk verliehen. Der Stückepreis ist dreigeteilt. Die aktuellen Teilnahmebedingungen finden Sie hier.

Der „Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreis“ ist einer der höchstdotierten Dramatikerpreise Deutschlands.


Teilnahmebedingungen Stückepreis

Für den Stückepreis, der der Nachwuchsförderung gewidmet ist (für Autorinnen und Autoren bis 35 Jahre) können Bewerbungen eingereicht werden (ausgedruckt, in zweifacher Ausfertigung an: Pfalztheater Kaiserslautern, Stückepreis, Willy-Brandt-Platz 4-5, 67657 Kaiserslautern).
Dem Werk soll eine Kurzbiografie beigefügt werden. Das eingereichte Stück soll nicht älter als zwei Jahre und noch nicht uraufgeführt worden sein.

Der Stückepreis wird in drei Preisstufen vergeben:
Der erste Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das prämierte Stück wird am Pfalztheater uraufgeführt.
Das Preisgeld für den zweiten Stückepreis beträgt 3.000 Euro und kann auf Wunsch als dreimonatiges Aufenthaltsstipendium am Pfalztheater in drei Monatsraten ausgezahlt werden.
Der dritte Stückepreis wird mit 2.000 Euro honoriert.
Der Jury gehören an:
Esther Boldt (Autorin und Theaterkritikerin), Meike Klingenberg (ZDFkultur/3sat), Prof. Dr. Franziska Schößler (Universität Trier) und Ulrich Khuon (Intendant des Deutschen Theaters Berlin und Vorsitzender des Deutschen Bühnenvereins). Vorsitzender der Jury ist der Intendant des Pfalztheaters Urs Häberli.

Die Einreichungen sind in gedruckter Form und zweifacher Ausfertigung an das Pfalztheater Kaiserslautern zu senden:
Pfalztheater Kaiserslautern
Stückepreis
Willy-Brandt-Platz 4-5
67657 Kaiserslautern

 

Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2020 an Felicia Zeller -
Stückepreise an Caren Jeß, Leon Ospald und Magdalena Schrefel


Der Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2020 des Pfalztheaters Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur geht an Felicia Zeller.
Die Preisjury, bestehend aus Urs Häberli (Vorsitzender), Esther Boldt, Meike Klingenberg, Prof. Dr. Franziska Schößler und Ulrich Khuon, hat sich einhellig für die Preisvergabe entschieden.
Felicia Zeller, die sich selbst einmal als „Sprechautorin“ bezeichnete, spürt im redseligen Alltagsgeplapper die Wunden der Gegenwart auf, wo die eloquente Selbstanklage an die Stelle von Handlung und Verantwortungsübernahme tritt. Ihre Figuren knallen sich mit Vorliebe Halbsätze vor den Latz – als spiegelten sie direktemang die Alltagserfahrung der Fragmentierung, forciert durch die Kommunikationsmedien der Gleichzeitigkeit. Dabei stellt sie ihre Figuren nie bloß, sondern registriert zugewandt ihr fortwährendes Scheitern. Ihre Texte sind sprachschön und brutal, satirisch und schmerzlich fassen sie die Neurosen der Gegenwart in griffige Formeln.

Der mit 5.000 Euro dotierte und mit der Uraufführung am Pfalztheater Kaiserslautern verbundene erste Stückepreis geht an Caren Jeß für ihr Stück „Der Popper“.
Caren Jeß hat mit „Der Popper“ ein Stück vorgelegt, das mit einer kräftigen theatralen Bildsprache die Geschichte eines erlebten und eines drohenden Absturzes erzählt. Ihre unterschiedlichen Figuren, angefangen beim in der Erinnerung an die 1980er schwelgenden Popper über die philosophierende Fleischerin bis hin zu den jungen Leuten, die die Wohnung des Poppers übernehmen, sind klar charakterisiert. Sie berühren und zeichnen ein plastisches Bild unserer Zeit.
Jeß schafft mit Humor und Fantasie zum Teil surreale Bilder: Ihre Figuren bewegen sich in einem Beziehungsgeflecht zwischen Lifestyle und Geldnöten, verschiedenen Spielarten von Sex und Drogen, Bindungsängsten und Zugehörigkeitsbedürfnissen, Gesichtswurst und lila Wohnzimmerwänden.
„Der Popper“ wird in der Spielzeit 2020/21 am Pfalztheater Kaiserslautern uraufgeführt.

Der mit 3.000 Euro ausgestattete zweite Stückepreis, der auf Wunsch auch als dreimonatiges Aufenthaltsstipendium am Pfalztheater Kaiserslautern ausgegeben werden kann, wird an Leon Ospald für sein Stück „Guppysterben“ verliehen.
Der Schauspieler und Dramatiker Leon Ospald stellt in seinem Theaterstück den bizarren Alltag einer Polizeistation ins Zentrum des Geschehens, geprägt von Kompetenzgerangel und organisierter Verantwortungslosigkeit, durchzogen von Ängsten und Selbstbehauptungs-versuchen. Auf der einen Seite stehen der Asylanwärter Fakha, die Polizeichefin und ein Polizeihauptmeister, auf der anderen der Häftling Paul Kluge. Ospald vertraut eher den Mitteln der Farce als der Recherche, daraus entsteht eine schräg und leicht dahingeworfene Szenenfolge, eine irrlichternde schwarze Komödie, unkorrekt, grotesk und überraschend, mit einem dunklen Schluss.

Der dritte Stückepreis von 2.000 Euro geht an Magdalena Schrefel.
Schrefels Stück „Ein Berg, viele“ – ein Historiendrama, ein ‚Film‘ und ein Theater auf dem Theater – kreist um das aktuelle Thema der Grenzziehung: Ein englischer Gelehrter erfindet bei Tee und Gebäck die afrikanischen Kong-Berge, um den eigentümlichen Verlauf des Flusses Niger zu erklären. Es geht mithin um die europäische Arroganz, sich fremde Landschaften im Gelehrtenkämmerlein nach Gusto zurechtzuschneidern; es geht um das Imaginäre von Grenzen, aber auch um ihre brutale Wirklichkeit, will man sie vom afrikanischen Kontinent aus überwinden. Das Stück verbindet diese beiden Perspektiven auf kunstvolle Weise und bedenkt immer auch mit, dass das Sprechen über Grenzen medial vermittelt ist, also im Theater, im Film oder Fernsehen stattfindet.

Die festliche Preisverleihung fand am 1. März 2020 zur Eröffnung der 1. Theatertage Rheinland-Pfalz im Pfalztheater Kaiserslautern statt und wurde von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen.

Die Preisträger im Überblick

1993 Kerstin Specht „Mond auf dem Rücken“ (UA)
(Förderpreis: Michael Roes „Cham“)

1995 Harald Kislinger „Höllenschlund“ (UA)
(Kein Förderpreis)

1997 geteilt: Volker Lüdecke „Darja“ (UA) und Werner Fritsch „Höllensturz: Es gibt keine Sünde im Süden des Herzens“ (Förderpreis: Roland Schimmelpfennig „Fisch um Fisch“)

1999 Rainald Goetz (Dramatikerpreis)
Steffen Kopetzky (Stückepreis)

2001 Einar Schleef (Dramatikerpreis, posthum)
Dirk Dobbrow (Stückepreis)

2003 Elfriede Jelinek (Dramatikerpreis)
Claudius Lünstedt (Stückepreis)

2005 Dea Loher (Dramatikerpreis)
Torsten Buchsteiner (Stückepreis)

2008 Fritz Kater (Dramatikerpreis)
Almut Baumgarten (Stückepreis)

2010 Roland Schimmelpfennig (Dramatikerpreis)
Azar Mortazavi / Achim Stegmüller (Stückepreis)

2012 René Pollesch (Dramatikerpreis)
Nina Büttner (Stückepreis)

2014 Peter Handke (Dramatikerpreis)
Thomas Köck, Bonn Park, Sophie Nikolitsch (Stückepreise)

2016 Sibylle Berg (Dramatikerpreis)
Maria Milisavljevic, Nina Ender, Stephan Roiss (Stückepreise)

2018 Ewald Palmetshofer (Dramatikerpreis)
Nele Stuhler, Leon Engler, Philippe Heule (Stückepreise)

 

Aktuelle Zusammensetzung der Jury
  • Esther Boldt (Autorin und Theaterkritikerin)
  • Meike Klingenberg (ZDFkultur/3sat)
  • Prof. Dr. Franziska Schößler (Professorin für Neuere deutsche Literatur-Schwerpunkt Theaterwissenschaft, Universität Trier)
  • Ulrich Khuon (Intendant Deutsches Theater Berlin, Vorsitzender des Deutschen Bühnenvereins)
  • Urs Häberli (Intendant Pfalztheater und Vorsitzender der Jury)