Kassandra.



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Tanzabend von James Sutherland
Premiere 22|01|2022 | Großes Haus
Uraufführung


„Warum gabst du mir zu sehen, / Was ich doch nicht wenden kann? / Das Verhängte muß geschehen, / Das Gefürchtete muß nahn.“ (Friedrich Schiller, „Kassandra“)

Kassandra ist in der antiken Mythologie eine trojanische Priesterin und Königstochter, die für ihre Schönheit vom Gott Apollon die Gabe bekommt, die Zukunft vorauszusehen. Als sie jedoch seine Verführung zurückweist, bestraft er sie damit, dass niemand ihren Voraussagungen glauben wird. So sieht sie schon vor Beginn des trojanischen Krieges gegen Griechenland den Untergang Trojas voraus und muss doch über Jahre jede falsche Entscheidung ihres Vaters und ihrer Brüder mitansehen, ohne dass ihre Warnungen Gehör finden.
Die unmittelbare Verbindung von Erkenntnis und Hilflosigkeit wirkt bis heute faszinierend und wurde auch von modernen Autor*innen aufgegriffen: Jean-Paul Sartre zeichnet in einem Antikriegs-Stück mit großer Ironie Götter, die eitel und engstirnig den Menschen das Leben schwermachen und denen insbesondere Kassandra schlichtweg intellektuell überlegen ist. Christa Wolf beschäftigte sich einige Jahre lang intensiv mit der Frage, wer Kassandra war – bevor sie zum Mythos wurde. In ihrer Erzählung „Kassandra“ beschreibt sie sie als eine hochsensible und intelligente junge Frau, die in der Gegenwart, in den politischen Weichenstellungen und im veränderten Verhalten ihrer Mitmenschen, erkennt, welche Zukunft die Trojaner*innen sich dadurch selbst herbeiführen. James Sutherland widmet sich dieser Figur als einer verletzlichen Frau, die einen chancenlosen Kampf gegen ihre politische Ohnmacht, gesellschaftliche Isolierung und die Demontage ihrer Person führt. Mit seinem Ensemble und einer Schauspielerin, die Auszüge aus den Texten des antiken Dichters Euripides und der Autorin Christa Wolf spricht, zeichnet er ihren Weg nach: Während das Leben in Troja immer mehr von strategischer Rationalität, Uniformität, Misstrauen gegeneinander geprägt wird, plädiert sie vergeblich für Perspektivwechsel, Empathie und die Fülle des Lebens jenseits von definierten Situationen. Sie weiß, dass sie zutiefst verstrickt ist in einen Loyalitätskonflikt, in dem sie sich selbst nur treu bleiben kann um den Preis, ihre Familie und ihr Volk zu verlieren. Aber es gelingt ihr zumindest nach dem Krieg, den mitgefangenen trojanischen Frauen zu vermitteln: Solange wir leben, kann es noch Menschlichkeit geben.


Preise D

Mit


Orchester des Pfalztheaters | Ensemble Tanz des Pfalztheaters

Leitung

Musikalische Leitung Olivier Pols
Inszenierung und Choreografie James Sutherland
Libretto Eva Wagner
Bühne Yoko Seyama
Kostüme Rosa Ana Chanzá
Dramaturgie Andreas Bronkalla